Pressemeldungen

Aktuelle Pressemitteilungen des JSV Edertal e.V.

Leserbrief von Ulrich RastZum Leserbrief von Herrn Ulrich Rast in der Ausgabe vom 10.11.2016 (s. rechts)

Der Leser erregt sich über die Treib- und Drückjagden, die derzeit in unseren Feldern und Wäldern stattfinden.

Getroffene Hunde bellen, wie man ja aus dem geflügelten Wort weiß. Trotzdem ist es vielleicht ab und zu erforderlich, dem Jäger-Bashing entgegenzutreten, sonst wird durch die endlose Wiederholung irgendwann etwas als wahr angesehen, nur weil man es nicht besser weiß oder die unermüdlichen Kämpfer für Recht und Freiheit nicht darin nachlassen, sich mangels anderer Betätigung ein Feindbild zu suchen und sich an diesem abzuarbeiten. Hierzu paßt der schöne Spruch von der Eiche, die es nicht stört, wenn sich die Sau an ihr reibt, dem man gerade als Jäger grundsätzlich folgen sollte, wäre da nicht das Bedürfnis mancher, sich gegenüber anderen als bessere Menschen zu positionieren aufgrund des eigenen Tuns (oder auch Lassens).

Woher der Leserbriefschreiber seine Kenntnisse hat, die er der Öffentlichkeit mitteilen zu müssen meint, diese Information bleibt er schuldig (natürlich um seine Quellen zu schützen). Die Zeugen, die er benennt, heißen daher stets Anonymus („ein Polizist“, „ein Berufsjäger“). Die abschließende pauschale Aussage über den Charakter der Jäger erinnert sehr an die Populisten, die derzeit überall mit viel Krawall, aber wenig Inhalt zu punkten versuchen. Unbelegte Behauptungen anstelle von Beweisen, man kennt es ja mittlerweile zur Genüge und sollte es eigentlich ignorieren. Allerdings müssen wir immer häufiger feststellen, was passieren kann, wenn man solchen Leuten nicht entschieden entgegentritt, daher diese Zeilen als Kommentar.

Der Erholungssuchende steht also mangels ordnungsgemäßer Absperrung plötzlich mittendrin in einem Rudel Jäger, das aus allen Rohren schießt. Wenn wir doch nur erfahren würden, wo das der Fall gewesen ist, könnten wir uns als mordlustige Jagdbuben (oder auch Mädel, man muß ja heute auf Gendersprech achten) doch schnurstracks dorthin zur Jagd begeben, wo das Wild in breitem Pulk den Jägerhaufen anläuft und sehenden Auges ins Verderben rennt.

So weit, so schlecht.

Was wir als Jäger vielmehr in der Realität wahrnehmen, ist, daß Jagdgegner wie Erholungssuchende die aufgestellten Warnschilder vielfach schlicht ignorieren, ob aus Fahrlässigkeit oder einem eingeforderten Rechtsanspruch auf das Betretungsrecht der Natur mehr oder weniger zu jeder Tages- und Nachtzeit, sei einmal dahingestellt. Daß Tiere bis zur Erschöpfung gehetzt werden, macht jagdlich überhaupt keinen Sinn, paßt aber zu dem Bild des „aus allen Rohren feuernden“ Jägers.

Damit die besoffenen und halbblinden Mordgesellen aber überhaupt treffen, muß das Wild eher langsam vor die Schützen kommen, es wird durch Treiber und Jagdhunde, wie der Jäger sagt, „beunruhigt“, verläßt seinen Einstand und zieht dorthin, wo es vermeintlich friedlicher zugeht. Auf diesem erwarteten Weg postieren sich nun die Jäger (vereinzelt, nicht in Gruppen, das wäre viel zu gefährlich, man könnte ja seinesgleichen treffen), um das Wild zu erlegen. Da man die Beute hinterher aber auch verwerten möchte, macht es keinerlei Sinn, sie vorher zu hetzen, denn eine mangelhafte Fleischqualität durch Streßhormone wäre die unabdingbare Folge, und mangelhaftes Fleisch zu genießen überläßt der Jäger gerne dem unbedarften Supermarktkunden, der die dort für ein paar EURO zu erstehenden und vorher quer durch Europa gekarrten Schweineschnitzel häufig dem in unserer Natur lebenden Wild vorzieht. Über Vegetarier und Co. wollen wir hier gar nicht groß reden, der vielfache Tiertod zum Erzeugen von deren Lebensmitteln wird von ihnen schlicht ausgeblendet.

Schwarze Schafe gibt es überall, leider auch bei den Jägern. Die Polizei bzw. die für die Jäger zuständigen Jagdbehörden kontrollieren jedoch regelmäßig alle Jäger und andere Legalwaffenbesitzer direkt bei sich zuhause (besonders nach den Verschärfungen des Waffenrechts nach den schrecklichen Attentaten der vergangenen Jahre). Das müßte mal mit anderen in der Gesellschaft tief verwurzelten Personen geschehen. Ein Aufschrei ginge durch das geknechtete Volk. Wer als Jäger auch nur im entferntesten auffällig wird, muß mit dem Entzug der Waffenbesitzkarte und damit dem Verlust des Jagdscheins rechnen. Das gilt auch für gar nicht mit der Jagd in Verbindung stehende Vorfälle. Die Kontrollen erfolgen zudem unangekündigt – ähnlich wie die Polizeikontrollen gegen Alkohol- und Temposünder. Auf der Jagd gilt die gesetzlich vorgeschriebene Null-Promille-Grenze, an die sich der Jäger schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb hält. Daß die Polizei oder am besten gleich ein SEK in eine stattfindende Jagd stürmt, bewaffnet mit Teströhrchen, das erscheint aber doch zu abwegig, um sich in der Praxis realisieren zu lassen.

Zum Thema „von der Norm abweichende Charaktere“: Ein als untadelig angesehener Mensch war Nelson Mandela, seines Zeichens ein begeisterter Jäger. Gerne möchte man sich mit einem solchen „Charakter“ in einen Topf geworfen sehen. Positiv oder negativ? Der Leserbriefschreiber möge dies vielleicht noch einmal durchdenken, der Leserbriefleser wird hoffentlich mit Schulterzucken über die unreflektierten Pauschalitäten hinweggegangen sein und sich vielleicht doch lieber mit dem Kreuzworträtsel beschäftigt haben. Möglicherweise könnte er bei der Frage „staatlich geprüfter Naturschützer“ sogar unschwer auf die richtige Lösung gekommen sein: JÄGER bzw. natürlich JAEGER.